17.02.2010, 10:56 Uhr | Tom Grünweg
VW Gol (Foto: Volkswagen)
Auf einen richtig billigen Kleinwagen muss die europäische VW-Kundschaft noch bis 2012 warten - dann soll die neue Baureihe Up! auf den Markt kommen. In Südamerika bieten die Wolfsburger mit dem Gol und dem Suran hingegen bereits entsprechende Discount-Autos an. (Hier geht es zur Foto-Show VW Gol)
Weltweite Autokrise? Ernesto Baldassare ist mit einem blauen Auge davon gekommen. "So schlimm wie Europa hat es Argentinien im vergangenen Jahr zum Glück nicht erwischt", sagt der VW-Händler, der vier Autohäuser in Buenos Aires betreibt. Zwar stottert der Pkw-Markt auch hier, doch ging der Absatz im vergangenen Jahr um vergleichsweise bescheidene 15 Prozent auf rund 500.000 Neuzulassungen zurück. Baldassare spürte die Rezession noch weniger als andere, denn VW ist gefragt in Argentinien. Der Marktanteil der Niedersachsen liegt bei mehr als 20 Prozent
Die prominente Stellung verdankt die Marke vor allem zwei Modellen, die Europäern gänzlich unbekannt sind: dem Gol und dem Suran. Beide rangieren in Argentinien in den Top Ten der Zulassungsstatistik und dominieren das Straßenbild wie hierzulande Polo und Golf.
Der Gol (Spanisch für "Tor") ist ein 3,90 Meter langer Kleinwagen, der seit 1981 in Brasilien für den südamerikanischen Markt aus allerlei VW- und Audi-Bauteilen zusammengebastelt wird und dem zum Golf nicht nur der Buchstabe "F", sondern auch etwa 30 Zentimeter Karosserielänge fehlen. Alle Gol-Typen zusammen kommen in Argentinien auf rund 42.000 Zulassungen im Jahr - dahinter folgen der in Südamerika als Chevrolet verkaufte Opel Corsa (28.000 Zulassungen) und der Peugeot 207 (24.000 Zulassungen), der ebenfalls vor Ort produziert wird.
Als Golf des kleinen Mannes bietet der Gol alles, was man für den Transport von A nach B benötigt. Man sitzt vergleichsweise bequem, hat einen Kofferraum von 285 Litern Fassungsvermögen und ein Fahrwerk, dem selbst die tiefen Schlaglöcher von Buenos Aires nichts anhaben können. Zudem sieht der Wagen ansprechend aus. Das aktuelle VW-Familiengesicht trägt das Modell zwar nicht, doch insgesamt wirkt das Design zeitlos und stimmig - ein Auto ohne Allüren, das seit Sommer 2008 in der dritten Generation gebaut wird.
"Wir hätten natürlich gerne den echten Polo im Angebot, oder den aktuellen Golf", sagt VW-Händler Baldassare. Stattdessen steht in seinem Verkaufsraum als Neuwagen der Golf IV, der in Europa bereits vor sieben Jahren abgelöst wurde - in Argentinien aber mit aufgemöbeltem Interieur und neuen Scheinwerfern weiterhin verkauft wird. "Andererseits", schränkt der Autohändler ein, "wären neue Autos aus Europa hier fast nicht zu bezahlen."
Der VW Passat zum Beispiel kostet in der Top-Version 206.000 Pesos (rund 40.000 Euro), während die ältere der beiden Gol-Varianten für 35.000 und der neuere Gol Trend für 50.000 Pesos (6600 und 9500 Euro) zu haben sind. Außerdem sind die Modelle Tiguan und Jetta im Angebot. Letzterer heißt in Argentinien jedoch Vento, denn: "Jetta heißt bei uns Pech, das wäre kein guter Name", erklärt Baldassare.
Ähnlich beliebt wie der Gol ist der knapp 60.000 Pesos (11.400 Euro) teure VW Suran. Das Auto basiert auf dem brasilianischen VW-Kleinwagen Fox, wurde jedoch um 40 Zentimeter auf knapp 4,20 Meter gestreckt und wirkt auf den ersten Blick wie ein Konkurrent der europäischen Modelle Opel Meriva, Nissan Note oder Renault Modus. Das Auto, halb Hochdach-Kombi, halb Minivan, verfügt über eine um zwei Handbreit verschiebbare Rückbank und einen stattlichen Kofferraum.
Unter den Hauben der beiden VW-Bestseller steckt ein 1,6 Liter großer Benzinmotor mit 101 PS, der mit den beiden Leichtgewichten keine Mühe hat. Die Beschleunigung auf Tempo 100 schaffen die Autos in gut zehn Sekunden, und knapp 180 Sachen sind laut Tacho locker drin. Die Maschine knurrt etwas lauter als die modernen TSI-Motoren, die in Europa zum Einsatz kommen, und auch der Verbrauch ist höher. Doch mit maximal 143 Nm ist man vergleichsweise flott unterwegs - zumal das Tempolimit in Argentinien bei 130 km/h liegt.
Eigentlich würden die beiden argentinischen Bestseller auch ins hiesige VW-Programm passen, denn die Marke bräuchte dringend einen billigen Kleinwagen, ebenso wie einen Minivan. Doch nachdem schon das Modell Fox hierzulande keinen Stich machte und demnächst der neue Kleinwagen Up! auf den Markt kommen soll, wird es wohl nichts mit der Europa-Karriere der beiden Südamerikaner.
So wie sie in Argentinien angeboten werden, wären die Autos in Deutschland ohnehin unverkäuflich: Hartplastik im Cockpit, flaumweiche Sitze, Handkurbeln für die Seitenscheiben und nur in Ausnahmefällen Seitenairbags oder ESP - die Wagen wirken wie aus der Zeit gefallen. "Sicherheit ist vielen Argentiniern zu teuer, deshalb werden Neuwagen zum Teil sogar ohne ABS geordert", sagt Baldassare. Ein Muss allerdings sei eine Klimaanlage. Dafür verzichtet der Durchschnittsautokäufer gerne auf andere Dinge, die in Deutschland als unverzichtbar gelten.
Tom Grünweg
Peter § schrieb:
am 19. Februar 2010 um 17:39:04
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Einbruch
Die Automobilhersteller werden sich dem Druck beugen und Autos zum Preis von 6000€ Produzieren. Den Automarkt bestimmt nicht der Krawattenträger.
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braeuerfrank schrieb:
am 19. Februar 2010 um 17:35:03
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vw wo anders billige
wem wunderts,wer nach vw nachfragt und in deutschland kaufen will,sollte solange die finger davon lassen bis auch bei
uns die preise runter gehen!!wers noch nicht kapiert hat,dem rate ich dringend zum kauf!!jeden morgen stehen mindeststens drei o mehrer dum.... auf!!!
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Dieter schrieb:
am 19. Februar 2010 um 17:31:49
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Gol
Diese Preise von den Deutschen Autoherstellern kann sich normalo nicht mehr leisten, da kann ich nur sagen macht weiter so VW und ko, und
Ihr werdet sehen wo das endet! Bringt ein günstiges und solides gebautes Auto für rund zehntausend Euro auf den Markt, dann wird das Geschäft besser laufen als den Leuten ein Polo mit kleinen Motor und magerer Innenaustattung für Fünfzehn zu verkaufen.
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