Drucken
Wasserstoff-Limousine von Honda im Check
27.10.2009, 08:36 Uhr | Wolfram Nickel/mid
Honda FCX Clarity (Foto: Honda)In Amerika und Japan erntet Wasserstoff-Pionier Honda mit der Mittelklasselimousine FCX Clarity schon so viel Zuspruch, dass die Kunden sich einem Auswahlverfahren stellen müssen. Was taugt das Wasserstoff-Auto von Honda?#
Sagen Sie Ihre Meinung zu Autos mit Wasserstoffantrieb! Am Textende finden Sie ein Kommentar-Feld. Einfach einen (Spitz-)Namen eintragen, Text eingeben - und absenden.
Vom Honda FCX Clarity gibt's nur 200 Einheiten
Vom 4,83 Meter langen Viertürers mit Brennstoffzellenantrieb werden vorerst nur 200 Einheiten produziert. In Kalifornien, wo die neue Spritspar- und Hybrideuphorie am größten ist, wird der von einem 136 PS starken Elektromotor beschleunigte FCX Clarity seit Sommer 2008 für eine monatliche Leasingrate von 600 Dollar mit einem Dreijahresvertrag angeboten. In Europa wird das weltweit erste Serienauto, das speziell für einen Brennstoffzellenantrieb entwickelt wurde, allerdings nicht vermarktet.
Alternative Antriebe - Audi A4 fährt mit Biogas Weltrekord
Vorreiter für künftige Serienmodelle
Dafür versteht sich der FCX Clarity als Vorreiter künftiger Honda-Modelle mit vollständig schadstofffreiem Wasserstoffantrieb. Die Großserienfertigung soll anlaufen, sobald die Brennstoffzelle reif ist für die Massenfertigung. Spätestens in acht Jahren soll es soweit sein, so das persönliche Ziel von Sachito Fujimoto, dem Entwicklungsverantwortlichen des FCX Clarity. Dann sollen auch in Europa und Deutschland verschiedene Honda-Brennstoffzellen-Modelle zu marktfähigen Preisen an den Start gehen.
Kaum Tankstellen verfügbar
Eine weitere Voraussetzung dafür ist ein Wasserstoff-Tankstellennetz, an dem es derzeit sogar noch auf den ersten Vertriebsmärkten Amerika und Japan fehlt. Hierzulande gibt es erst fünf öffentlich zugängliche Zapfanlagen. Da nützt es auch nicht viel, dass der gefällig gezeichnete Clarity rund 460 Kilometer Reichweite besitzt. Während der Wasserstoff in Japan und Amerika im Leasingpaket enthalten ist, wird er hierzulande, etwa an einer Tankstelle in Frankfurt-Höchst für 8,82 Euro pro Kilogramm verkauft. Für den Honda bedeutet dies Spritkosten von zehn bis elf Euro pro 100 Kilometer, also nicht weniger als etwa eine vergleichbare Diesellimousine kostet.
Start per Knopfdruck
Gestartet wird per Knopfdruck - fast geräuschfrei wie in einem konventionellen Elektroauto. Über die blauen und grünen Anzeigen im Display signalisiert die Brennstoffzelle ihre Dienstbereitschaft. Bei vollem Leistungsabruf heult und pfeift der Kompressor, der die Brennstoffzelle mit Luftsauerstoff versorgt, wie eine Turbine - vielleicht der auffälligste Unterschied zum Batterieantrieb in herkömmlichen Elektrofahrzeugen. Unangenehm ist die Geräuschentwicklung im Honda aber keineswegs und auf einen optionalen Soundgenerator wie bei den Stromern Tesla Roadster oder Chevrolet Volt kann so verzichtet werden.
Abregelung bei Tempo 160
In rund neun Sekunden sprintet die immerhin 1625 Kilogramm schwere Limousine auf Tempo 100 und ähnlich flott geht es weiter bis Tempo 160, dann greift die Abregelung ein. Allerdings verwandelt sich das blaue Ökosymbol auf der Instrumentenanzeige dann in ein größeres, orangeleuchtendes Warnsignal, denn jetzt ist die Brennstoffzelle gefordert. Die Batterien müssen geladen werden, ein Vorgang, der zusätzlich durch Bremsenergierückgewinnung erfolgen kann. Der FCX reagiert auf Gaspedalbefehle spontan und nachdrücklich wie ein konventionelles Elektrofahrzeug.
Abstriche beim Kofferraum
Strom erhält der Elektromotor des Honda von einem im sperrig breiten Mitteltunnel untergebrachten Brennstoffzellen-Einheit. Das Interieur des Clarity ist deshalb nicht allzu üppig dimensioniert. Vier Passagiere finden allerdings bequem Platz. Auch das Kofferraumvolumen ist limitiert, der über der Hinterachse positionierte Wasserstofftank fordert Zugeständnisse.
Ordentlicher Komfort im Innenraum
Das war es aber auch an Einschränkungen. Das Interieur des FCX ist fein ausstaffiert und das Fahrverhalten lässt keine Wünsche übrig. Der FCX ist kurvenfreudig, leicht durch enge Gassen und Parkgaragen zu zirkeln und gefällt auf Langstrecken durch ordentlichen Abroll-, Federungs- und Geräuschkomfort.
Hybridautos sollen Wartezeit zum Wasserstoff-Auto überbrücken
Bis die schöne neue Welt des Brennstoffzellenantriebs Realität wird, sollen weitere Honda-Hybridmodelle das grüne Gewissen beruhigen und auch für Emotionen sorgen. Dazu zählen ganz besonders der serienreife Sportwagen CR-Z, der auf der Tokyo Motor Show präsentiert wird und der Kleinwagen Jazz, der 2011 mit Hybridantrieb an den Start geht.
Wolfram Nickel/mid
Versenden
An die Redaktion