10.03.2011, 13:01 Uhr | Spiegel Online
Der Roadster war nur der Anfang: Ab 2012 will Tesla mit dem Model S aus der Nische fahren und ausgerechnet dort mit Mercedes, BMW& Co konkurrieren, wo sie am stärksten sind - in der Oberklasse. Dabei ist der E-Motor für den Entwicklungschef nur ein Argument von vielen.
Dieses Schauspiel könnte sich Peter Rawlinson stundenlang anschauen: Immer wieder kommen feine Herren in maßgeschneiderten Anzügen auf seinen Messestand, streichen ganz langsam und vorsichtig mit den Fingen über blankes Metall, reiben mit Magneten über Rohre, Bleche und Streben und schielen neugierig in jeden Winkel der glänzenden Skulptur.
Was die Herren - fast ausnahmslos Entwickler, Ingenieure, ja sogar Vorstände anderer Autofirmen - da auf dem Genfer Automobilsalon so akribisch untersuchen, ist die Rohkarosserie des kommenden Model S von Tesla. Rawlinson ist der Entwicklungschef des US-Unternehmens, das sich gerade vom revolutionären Underdog zum ernstzunehmenden Automobilhersteller entwickelt.
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Bislang hatte Tesla nicht viel mehr als eine geniale Idee, und den Mut sie umzusetzen. Um zu beweisen, dass elektrische Mobilität schon heute funktionieren kann, haben die Amerikaner kurzerhand ein paar Tausend Laptop-Akkus in eine Kiste gepackt, die in den Kofferraum eines Sportwagens geschraubt und den Benziner durch einen Elektromotor ersetzt - fertig war der Tesla Roadster. Dabei jedoch von einem eigenen Auto zu sprechen, wäre ein bisschen hoch gegriffen. Abgesehen vom Antrieb und ein paar stilistischen Retuschen ist der Tesla nicht viel mehr als ein Lotus Elise.
Und mit wenigen hundert Fahrzeugen im Jahr liegt Tesla stückzahlmäßig eher auf dem Niveau von Brabus oder Morgan als BMW oder Mercedes. Doch jetzt, wo immerhin schon 1500 Roadster verkauft sind und allein durch Deutschland über 100 elektrische Zweisitzer stromern, will Tesla mit dem Model S den nächsten Coup landen. 2012 soll der Verkauf in Amerika beginnen, im Jahr drauf gibt es das Auto auch bei uns.
"Wir haben auf einem weißen Blatt begonnen und das Auto von vorn bis hinten selbst entwickelt," sagt Rawlinson. Die Karosserie ist komplett aus Aluminium gefertigt und kann so große Teile des Zusatzgewichts kompensieren, das die Batterien im doppelten Wagenboden verursachen. Darauf ist Tesla so stolz, dass Rawlinson sich über jeden Konkurrenten freut, der mit dem Magnet nach Stahl statt Aluminium sucht. "Wir haben die Hosen herunter gelassen und zeigen unser neues Modell hier quasi nackt". Trotzdem kann man sich bereits eine schwungvoll gezeichnete Fließheck-Limousine in der Fünf-Meter-Klasse vorstellen, die stilistisch irgendwo zwischen Maserati Quattroporte, Porsche Panamera und Audi A7 rangiert.
Der Strom kommt aus Lithium-Ionen-Akkus, deren Kapazität der Kunde beim Kauf skalieren kann wie sonst Hubraum oder Motorleistung: Es gibt Pakete für 255, 370 oder 480 Kilometer Reichweite und wohl auch ein Schnellladesystem, mit dem man binnen 45 Minuten volltanken kann. Zur Leistung des an der Hinterachse montierten Motors will Rawlinson noch nicht viel verraten, doch die Eckwerte gibt er schon Preis: Den Sprint auf Tempo 100 schafft das Modell S in weniger als sechs Sekunden und das Spitzentempo liegt bei etwa 200 km/h.
Nachdem Tesla bislang nur ein paar hundert Autos im Jahr gebaut hat, geht es jetzt um ganz andere Stückzahlen: In einer alten Toyota-Fabrik wollen sie vom noch nicht genau eingepreisten aber angeblich unter 50.000 Euro teuren Modell S künftig bis zu 20.000 Fahrzeuge im Jahr produzieren, berichtet der Chefingenieur. Allerdings wird das noch ein wenig dauern. Klug geworden aus der Vergangenheit und der Kritik an der liederlichen Verarbeitung der ersten Roadster verspricht Rawlinson einen behutsamen Produktionsanlauf: "Qualität hat für uns oberste Priorität." Klappernde Konsolen, Spaltmaße wie Briefkastenschlitze, billiges Plastik und schlecht vernähtes Leder kann sich vielleicht ein Underdog leisten. Aber wer gegen Mercedes, Audi, BMW oder Lexus antreten will, der muss saubere Arbeit abliefern.
Deshalb ist Rawlinson auch schon seit Monaten mit den ersten Prototypen unterwegs. "Die Vorserie haben wir bereits gebaut. Im Augenblick laufen Wintertests, wir stimmen das Fahrwerk ab und programmieren die Stabilitätssysteme", erläutert er. Dass er sich dabei diesmal so viel Mühe gibt, hat einen einfachen Grund: Der Roadster war der erste seiner Art und verkaufte sich deshalb trotz des hohen Preises fast von selbst. Doch bis das Modell S tatsächlich auf dem Markt ist, wird es auch noch andere Stromer geben, und selbst die etablierten Hersteller können dann zumindest mit Hybridantrieb und elektrischen Kurzstrecken aufwarten. Der E-Modus verliert deshalb zusehends an Exklusivität und Tesla muss auch mit konventionellen Kriterien punkten.
"Wir wollen das Modell S nicht nur an elektrische Überzeugungstäter verkaufen, sondern es zu einer Alternative zu den etablierten Modellen in seinem Segment machen", umreißt Rawlinson die Zielvorgabe. Auch mit dem Qualitätseindruck, Ambiente und Platzangebot und vor allem dem Fahrgefühl will er die Kunden ködern. Dabei gerät der Ingenieur schnell ins Schwärmen, erzählt von seinen Testfahrten und lobt die Dynamik des grünen Dickschiffs. Straff abgestimmt, steif konstruiert und dank der Akkus im Boden mit einem extrem tiefen Schwerpunkt gesegnet, müsse das Modell S keinen Vergleich scheuen, sagt Rawlinson.
Ob und wie das Model S tatsächlich ankommt, wird sich wohl erst nach der Präsentation des fertigen Modells im nächsten Winter zeigen. Doch hat Rawlinson allen Grund zu Optimismus: Obwohl noch kein Kunde des fertige Auto gesehen, geschweige denn gefahren hat, meldet der Chefingenieur bereits 3500 Vorbestellungen, von denen viele auch aus Deutschland kommen "Denn neben Amerika ist das unser wichtigster Markt."
Aber so sehr sich Rawlinson auf die Premiere des Model S freut, ein bisschen Wehmut meldet sich dabei trotzdem. Denn auch wenn Tesla einen schleichenden Übergang plant und auf der Plattform des Models bereits neue Karosserievarianten entwickelt, geht mit der Limousine unweigerlich die Geschichte des Roadsters zu Ende: "Wir werden genau 2500 Fahrzeuge bauen, dann ist Schluss", sagt der Ingenieur. Weil zwei Drittel davon schon weg sind, rät er Interessenten zur Eile: "Die Chance kommt nicht wieder. Denn bald ist das erste Elektroauto der jüngeren Geschichte ausverkauft."
Quelle: Spiegel Online
joo schrieb:
am 24. März 2011 um 12:05:24
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tesla
leute,was ist nur los mit euch,die wollen etwas endlich mal verändern,in ein paar jahren wird es nur noch solche autos geben das ist
doch wunderbar,die werden dann auch billiger.
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Frau Meier schrieb:
am 24. März 2011 um 11:52:56
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Tesla
Nun ja, wir brauchen Co2-freien Strom aus Wind,-Sonne und Kernkraft, dann werden die Teslas und andere den Wahnsinn der Vernichtung der
Atmosphäre bald gestoppt haben. Kohle, Gas oder Öl zu verbrennen, das können wir uns nicht mehr leisten, - das sollte selbst dem fanatischten Anti-Atomaktivisten nicht verborgen geblieben sein. Nur Wind und Sonne kann sich eine Volkswirtschaft ebenfalls nicht leisten, denn die Verlässlichkeit ist nicht gegeben.Gefragt sind Realisten und keine Fanatiker.
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Jupp schrieb:
am 24. März 2011 um 11:48:15
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Tesla
Interessant, diese "Diskussion"! Auf der einen Seite der deutsche Kleingeist, oder war es der "Wutbürger"? Er denkt, das Öl ist
unendlich und die Co2-Belastung der Erde müssen die anderen klären. Auf der anderen Seite diejenigen, deren Horizont nicht hinter Castrop-Rauxel endet. Sie erkennen die Möglichkeit und die Notwendigkeit eines Wechsels hin zu Elektro- und Wasserstoffantrieb. Die Realität wird die ersteren hart treffen...!
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