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Renault Clio Grandtour vs. Seat Ibiza ST

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Renault Clio Grandtour vs. Seat Ibiza ST

06.04.2011, 15:22 Uhr | Michael Gebhardt

Renault Clio Grandtour und Seat Ibiza ST (Foto: Michael Gebhardt, AS24)

Renault Clio Grandtour und Seat Ibiza ST (Foto: Michael Gebhardt, AS24)

Kombis auf Kleinwagenbasis, das waren früher eher unansehnliche Handwerkerautos; man denke nur an den VW Polo Variant oder einen Fiat Palio Weekend. Praktisch waren sie schon seinerzeit, schick aber keinesfalls. Das ist inzwischen anders, wie die beiden von uns getesteten Vertreter Renault Clio Grandtour und Seat Ibiza ST beweisen.

Kleinkombis: Mehr Schick oder mehr Platz

Welcher der beiden 4,23 Meter langen Kombis nun den Preis als Schönheitskönigin mit nach Hause nehmen darf, liegt im Auge des Betrachters. Fakt ist, dass der Seat rein vom optischen Auftritt her eher den Lifestyle-Kombi gibt als der Renault. Die scharf gezeichnete Ibiza-Front, die kecke Kante in den Türen und das hohe, schräge Heck lassen den spanischen VW-Polo-Bruder sportlich wirken. Im direkten Vergleich wirkt der Renault ein wenig schlichter, vielleicht sogar altbackener.

Sein etwas konservativerer Schnitt beschert dem Renault aber nicht nur die etwas bessere Übersicht sondern auch die besseren Kofferraumwerte. 403 Liter Gepäck passen bei voller Bestuhlung hinter die Rückbank, klappt man selbige, asymmetrisch geteilt, um, können 1277 Liter verstaut werden. Der Seat kann bei voller Besetzung mit 430 Liter noch auftrumpfen, geht es um die maximale Kapazität wird er mit seinen nur 1164 Litern aber auf die Ränge verwiesen. Außerdem gibt es für den Seat kein Gepäcktrennnetz, nicht mal gegen Aufpreis.

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Renault Clio Grandtour leichter zu beladen

Punkten kann der Franzose zudem mit seiner großen, weit aufschwingenden Heckklappe und der tiefen Ladekante, was das Beladen einfacher macht. Zum Umklappen der Rückbank müssen allerdings hier wie da erst einmal die Kopfstützen abmontiert und die Sitzflächen hochgeklappt werden. Praktische Ein-Handgriff-Mechanismen sind derzeit noch höheren Fahrzeugklassen vorbehalten.

Durchaus der Kompaktklasse entsprechend ist dagegen das Interieur, zumindest beim Seat. Auch hier wird deutlich, dass die Spanier viel Wert auf Design gelegt haben, das Cockpit wirkt schickt, modern und trotzdem aufgeräumt. Dem Design zum Opfer sind dagegen leider die Stationstasten am Radio gefallen, gespeicherte Sender lassen sich nur über das Menü, nicht aber per Direktwahl abrufen.

Die hat es dafür indem nicht minder schicken, aber nicht ganz so wohnlich wirkenden Renault-Cockpit, bei dem alles ein wenig handfester wirkt. Für den Clio gibt es, anders als die portable Lösung im Seat, ein fest eingebautes Navi, auf das aber getrost verzichtet werden kann. Die Bedienung per Bluetooth-Fernbedienung ist fummelig und die Darstellung ist bei den meisten tragbaren Geräten aus dem Zubehörhandel besser.

Wenig Platz auf der Rückbank

Das Platzangebot für die Passagiere ist bei beiden Kombis ähnlich, in erster Reihe sitzt es sich kommod, auf der Rückbank wird es naturgemäß allerdings eng. Sitzen vorne keine Riesen, lassen sich aber auch im Fond nicht allzu lange Strecken gut absitzen. Das Gestühl selbst ist hier wie da ausgesprochen komfortabel, allerdings stört im Renault die hohe Sitzposition und dass das Lenkrad nur in der Höhe, nicht in der Weite verstellt werden kann. Im Seat lässt sich leichter eine angenehme Fahrposition finden.

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Seat überzeigt beim Fahrwerks-Setup

Angenehm, das trifft auch auf das Fahrwerks-Setup des Seat zu, das Unebenheiten artig neutralisiert und geschmeidig über Querfugen hinweg federt. Der Renault geht – ganz anders, als es die Vorurteile französischen Autos nachsagen – etwas ruppiger ans Werk und teilt den Fahrbahnzustand den Insassen deutlicher mit. Im Gegenzug lassen sich mit dem Clio Kurven auch einen Tick flotter durcheilen, ohne dass das beiderseits serienmäßige ESP helfend Eingreifen muss. Eine präzise Lenkung rundet den sportlichen Charakter des Renault ab.

Seat leichter und kraftvoller

Durchaus sportlich sind auch die beiden Aggregate, obwohl sie jeweils ihre Kraft aus nur 1,2 Liter Hubraum schöpfen; doch hier wie da hilft ein Turbolader beim beatmen. Der Renault kommt auf 100 PS und ein maximales Drehmoment von 155 Newtonmeter, 20 Zähler mehr sind es beim Seat, der auch mit 105 PS seine spanische Schnauze ein wenig vorne hat.

Das Kraft-Plus beschert dem Ibiza zusammen mit einem ausgesprochenen Gewichtsvorteil einen stärkeren Antritt; aus dem Stand kommt der Spanier einen Tick flotter weg, als der Renault. Kein Wunder, schleppt der Seat mit 1.075 Kilogramm doch 120 Kilogramm weniger als der Renault; wenngleich auch dieser freilich ausreichend kraftvoll ans Werk geht. Mit 11,2 Sekunden für den Standardsprint verliert er allerdings eine Sekunde auf den Spanier, die Höchstgeschwindigkeit ist mit rund 190 km/h dagegen beiderseits gleich und mehr als genug.

Nur fünf Gänge bei beiden Kombis

Beide Kombis kommen mit einem Fünf-Gang-Getriebe, das zwar immer noch klassenüblich ist, aber die sechste Übersetzungsstufe doch hin und wieder vermissen lässt. Vor allem auf längeren Autobahnetappen wünscht man sich einen Gang mehr; nicht unbedingt, um schneller zu fahren, sondern um das Geräuschniveau zu senken. Denn ab Tempo 130 wird es beiderseits recht laut. Außerdem könnte ein weiterer Gang zusätzlich zum Spritverbrauch beitragen.

Dass tun bei dem von uns getesteten Seat die so genannten Ecomotive-Maßnahmen, allen voran eine Stopp-Start-Automatik. Die hilft zwar beim Spritsparen, allerdings muss man dafür ein Relais in Kaufnehmen, dessen stetes Klicken unüberhörbar ist. Dass es sich bezahlt macht, zeigt der Blick auf die Tankrechnung. Glatte sieben Liter konsumierte der Ibiza ST in unserem Test. Das sind zwar 1,9 Liter mehr, als nach EU-Norm ermittelt wurden aber auch ein halber Liter weniger, als der Renault auf 100 Test-Kilometer verbrannte.

Günstiger Renault

Was die Ausstattung betrifft, kommt der Renault 1.2 TCe 100 immer mit Nebelscheinwerfern, Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern, höhenverstellbarem Fahrersitz, einem CD-Radio, Bordcomputer und 15-Zoll-Alurädern – zum Preis von 16.600 Euro. Für den Seat müssen dagegen 17.390 Euro auf den Tisch gelegt werden, wohlgemerkt mit Stahlrädern, dafür aber auch einem Tempomat.

Licht- und Regensensor, Einparkhilfe, eine USB-Schnittstelle oder etwa die Sitzheizung kosten beiderseits zusammen rund 1000 Euro Aufpreis – dann sind die kleinen Kombis aber auch gut ausgestattet. Ein besonderes Extra, dass es nur für den Seat gibt, sind Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlicht für 800 Euro.

Fazit

Früh ins Büro, Abends zum Großeinkauf, am Wochenenden zum Radfahren in die Berge und im Urlaub mit der Familie auf Große Reise. All diese Aufgaben soll ein Auto heutzutage meistern und am besten auch noch sparsam Unterwegs sein. Mit den beiden Kleinwagen-Kombis Ibiza ST und Clio Grandtour haben Seat und Renault jeweils einen Pfeil im Köcher, der ins Schwarze. In Sachen Wohlfühlambiente und Motor erhält der Seat den Zuschlag, er ist stylischer und hat das stärkere, aber auch sparsamere Aggregat. Der hausbackenere Renault punktet dagegen mit dem größeren und leichter zu beladenden Kofferraum und dem sportlicheren Fahrwerks-Setup. Und er ist in der Anschaffung der günstigere.

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Quelle: Autoscout24

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