
04.07.2011, 09:58 Uhr | Tom Grünweg
Schickt Daimler-Chef Dieter Zetsche Maybach in die Wüste? (Foto: Daimler) (Quelle: Hersteller)
Das riesige Auto wird auf Messen fast versteckt, und auf der Straße ist es ebenfalls kaum zu sehen: Der Maybach wird zum Problemfall für Daimler-Chef Dieter Zetsche. Mittlerweile steht das Thema ganz oben auf der To-do-Liste des Top-Managers. Was soll er mit der Highend-Marke machen?
Bislang hatte Dieter Zetsche für das Thema Maybach eine prima Ausrede: Solange Mercedes schlingerte, gab es einfach dringendere Probleme als die Luxusmarke. Inzwischen aber fahren die Autos mit dem Stern wieder auf der Erfolgsspur, und es wird langsam Zeit, sich um die Nobel-Limousinen zu kümmern. Denn während Bentley und Rolls-Royce wieder zulegen, dümpelt die Marke aus Sindelfingen weiterhin jenseits der Wahrnehmungsgrenze. Maybach ist der wunde Punkt des Portfolios. Die globalen Absatzzahlen sind gering, in der offiziellen KBA-Statistik läuft die mindestens 405.671 Euro teure Limousine unter "Sonstige". Zum Vergleich: Für Rolls-Royce registrierte das KBA im vergangenen Jahr 38 Neuzulassungen in Deutschland, für Bentley 201.
Um dieser Peinlichkeit ein Ende zu machen, muss sich Zetsche schnell etwas einfallen lassen. Denn mit jedem Monat wächst der Rückstand auf die Konkurrenten, leidet das Image stärker und werden die Fragezeichen hinter dem Projekt immer größer. Kein Wunder also, dass Insider verstärkte Beratungsaktivitäten in Stuttgart registrieren und spätestens zur IAA im September in Frankfurt mit einer Antwort auf die Frage "Quo vadis Maybach?" rechnen.
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Das Problem dabei: Wie es weitergehen soll, weiß bislang keiner so recht. Designer und Ingenieure sprechen zwar davon, durchaus einige "pfiffige Vorschläge" für neue Modelle in den Schubladen zu haben. Doch wenn Zetsche jetzt in Interviews sagt, dass eine Milliarde Dollar für die Entwicklung des Maybach "kein gutes Investment für ein Auto mit geringem Absatzvolumen" gewesen sei, ist ein nagelneuer Maybach wohl die einzige Option, die von vornherein ausscheidet. Stattdessen kursieren Gerüchte über eine Kooperation mit Aston Martin, die Herabstufung der Marke zu einer Ausstattungsvariante oder gleich über die komplette Einstellung des Maybach-Experiments.
Wie orientierungslos Daimler im Umgang mit dem Über-Mercedes ist, zeigen einige Eigenwilligkeiten der vergangenen Monate: Als der Karosseriebauer Xenatec aus dem benachbarten Weinsberg im Frühjahr eine Coupé-Variante des Luxusliners ankündigte, reagierten die Schwaben nicht - wie sonst bei solchen Vorhaben - verschnupft. Sondern eher erfreut, dass sich überhaupt noch jemand für Maybach interessiert. Markenmanager Patrick Marinoff sagte: "Wir stehen der Kooperation mit Xenatec positiv gegenüber und bauen hierbei auf ein gegenseitig vertrauensvolles Verhältnis."
Kaum hatte die kleine, sehr zahlungskräftige Maybach-Kundschaft diesen Anschlag auf ihr Stilbewusstsein verdaut, nahm sich der Künstler Julian Schnabel eines Maybachs an und inszenierte ein vom Beschussamt Ulm perforiertes Modell mit in blutroter Farbe aufgepinselten Frauennamen auf der Biennale in Venedig als Kunstobjekt . "So geben wir den Maybach vollends zum Abschuss frei", frotzelt ein Mercedes-Manager, der namentlich lieber nicht genannt werden will. Die Beispiele zeigen, dass das Marketing für ein Highend-Auto delikat sein kann. Eine klare Kursvorgabe ist überfällig - übrigens auch aus technischer Sicht. Schließlich basiert das Auto, das nie sonderlich fortschrittlich war, auf der Technik der letzten S-Klasse und läuft praktisch als fabrikneuer Oldtimer vom Band.
Als wahrscheinlichste Option für den weiteren Weg von Maybach gilt derzeit die Zusammenarbeit mit Aston Martin. Erst kürzlich äußerte sich Zetsche gegenüber Journalisten dahingehend, dass es da draußen "offensichtlich Unternehmen gibt, die mehr Erfahrung mit geringen Stückzahlen haben als wir". Wirtschaftlich mag eine solche Auslagerung sinnvoll sein. Doch für das Image von Maybach und auch Mercedes wäre das ein Armutszeugnis. Wie kann der Hersteller, die sich zum 125. Geburtstag des Automobils momentan als dessen Erfinder inszeniert, ausgerechnet das als "Krone des Automobilbaus" gepriesene Flaggschiff als Fremdauftrag vergeben?
Eine zweite, schlüssigere Alternative wäre die Herabstufung von Maybach zu einer Ausstattungsvariante. Mercedes würde dann Maybach verkaufen als das, was die Luxusautos immer schon waren: die dickste Version der S-Klasse. Mit Lack und Leder und verlängertem Radstand und einigen exklusiv erhältlichen Extras wäre der S 600 Maybach das luxuriöse Äquivalent zum sportlichen S 63 AMG. Damit könnte sich Daimler den ganzen Aufwand einer separaten Markenführung sparen. Zudem ließe sich dieses Prinzip auch auf andere Baureihen wie den CL, vielleicht ein großes Cabrio und einen der Geländewagen ausweiten.
Bleibt als dritte mögliche Option noch die Einstellung der Marke, die so aufwändig wiederbelebt wurde. Das würde nicht nur die bisherigen Kunden vergrätzen, sondern vor allem wäre es ein Gesichtsverlust für Zetsche, der sich lange für den Luxusliner stark gemacht hat. Wer weiß, vielleicht spielt der Daimler-Chef auch auf Zeit. Sein Vertrag läuft Ende 2013 aus. Ein Nachfolger könnte, ganz ohne Gesichtsverlust sondern als Signal großer Entschlussfreudigkeit, die Marke Maybach wieder dorthin zurück bringen, wo sie herkam: ins Museum.
Quelle: Spiegel Online
Volker schrieb:
am 6. März 2012 um 17:07:21
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Stillos
Image kann man sich eben doch nicht kaufen...
Die Idee eine traditionelle Marke wie Maybach als eine Art Edel S-Klasse zu
vermarkten, konnte eigentlich nur schief gehen. Dazu sind die Laufzeiten der heutigen Merceds Modelle auch viel zu kurz, von der einfallslosen Optik mag ich erst gar nicht reden, das Auto ist einfach nur stillos, unbedeutend und hässlich. Den Laden sollte man möglichst schnell still und leise abmelden, Rolly Royce wird's mit einem Lächeln vernehmen :-))
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michel schrieb:
am 3. August 2011 um 17:19:17
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Unnötiges Auto
Schön, Klasse, technische Spitzenleistung, alles ist Super an dem Auto, nur, es passt nicht mehr in die Landschaft. Wir
brauchen soziale Gerechtigkeit und keine Nobelkarossen ! ! ! !
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Autoprofi schrieb:
am 6. Juli 2011 um 08:44:15
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Maybach
so ein altbackenes Design überlebt nicht lange das hätte ich ihnen schon bei der ersten Vorstellung sagen können.
Das Auto mag
perfekt sein aber die Optik steht nun mal ganz oben.
Ich würde die Designer auswechseln oder das Gehalt kürzen.
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