12.03.2010, 14:20 Uhr | Holger Holzer / mid
Jaguar XJ (Foto: Jaguar)
Italienische Designdynamik und deutsche Dieseltugenden statt britischer Upperclass-Gediegenheit: Der neue Jaguar XJ streift die Fesseln der Tradition ab und mixt seinen eigenen Entwurf einer zeitgemäßen großen Limousine. Der schnittige Oberklässler steht im Mai zu Preisen ab 76.900 Euro beim Händler. (hier geht's zur Foto-Show Jaguar XJ)
Vor allem äußerlich ist der Bruch mit der Tradition radikal. Orientierte sich der direkte Vorgänger noch an dem elegant-repräsentativen Stil seines 1968 erschienenen Ur-Ahnen, setzt die Neuauflage in Sachen Karosserieschnitt rigoros auf Sportlichkeit. Stark geschlitzte Scheinwerfer, eine coupéhaft abfallende Dachlinie und das kurze, aber prägnante Heck mit den senkrechten Rückleuchten orientieren sich nun vielmehr an Wettbewerbern wie Maserati Quattroporte oder Porsche Panamera als an klassischen Vorstands-Limousinen vom Schlage einer Mercedes S-Klasse. Nicht jeder Unternehmenslenker mag solch einen extrovertierten Auftritt wünschen - aber Jaguar will schließlich vor allem neue Kundenkreise locken. Das ist auch bitter nötig: Gerade einmal 265 Einheiten des Vorgängermodells sind im vergangenen Jahr deutschlandweit verkauft worden.
An den technischen Eigenschaften der Limousine kann die mangelnde Nachfrage nicht gelegen haben. Denn die waren trotz des altmodischen Blechkleids extrem modern. Der Neue nutzt die guten Gene und setzt ebenfalls auf die besonders leichte Aluminiumkarosserie. In der Basisversion bringt der immerhin mindestens 5,12 Meter lange Brite gerade einmal 1755 Kilogramm auf die Waage. Die Wettbewerber wiegen mindesten 150 Kilogramm mehr.
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Bei den Motoren kann vor allem der auch im kleineren Jaguar XF eingesetzte V6-Diesel punkten. Mit 275 PS ist er einer der stärksten seiner Art und überzeugt mit mächtigem Durchzug und flottem Antritt bei gleichzeitig akustischer Zurückhaltung. Die schnell schaltende Sechsgangautomatik passt sich dabei gut ein. In lediglich 6,4 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 km/h. Für Motorenliebhaber mit gut gefüllter Tankkasse gibt es außerdem zwei 5,0-Liter-V8-Benziner; sie bieten mit bis zu 510 PS Leistung im Überfluss, sind aber in Kauf und Unterhalt entsprechend kostspielig.
Beim Fahrwerk hat Jaguar seinem neuen Flaggschiff einen Schuss mehr Sportlichkeit mitgegeben. Für ein Auto seiner Größe fährt der Hecktriebler behände um die Kurve, wobei auch das relativ günstige Leistungsgewicht hilft. Dabei kommt der klassenübliche Komfort nicht zu kurz, Querfugen und kleine Unebenheiten sind allerdings durchaus zu spüren. Gewöhnungsbedürftig ist auch die sehr direkte Lenkung, die man eher von einem Sportwagen erwarten würde und die die klassische Kundschaft etwas irritieren könnte.
Gewohnt edel und wohnlich geht es hingegen im Innenraum zu. Der Fahrer sitzt wie in einer Burg aus Leder und Holz; das Cockpit ist nahezu komplett mit feinster Tierhaut bezogen. Die extrem breite Mittelkonsole sorgt für Geborgenheit, dass es dem Fahrer aber zu eng wird, verhindert das ungewöhnlich niedrige Armaturenbrett. Wie bereits im XF sorgen einige gestalterische Gags für Eigenständigkeit. So werden etwa die Gänge der Automatik über ein Drehrad gewechselt, das beim Motorstart aus einem Versteck in der Mittelkonsole herausfährt. Anstelle konventioneller Analoganzeigen gibt es hinter dem Lenkrad einen großen Bildschirm, auf dem die Instrumente digital dargestellt werden.
Beim Preis rangiert der Jaguar markenüblich knapp über dem Niveau vergleichbarer Mercedes-, BMW- und Audi-Modelle. Zum Einstiegspreis von 76.900 Euro für den Diesel gibt es aber bereits eine recht komplette Ausstattung mit Ledersitzen, Festplattennavigation und Bi-Xenon-Scheinwerfern. Die V8-Benziner starten bei 96.600 Euro für die Sauger-Variante und bei 133.900 Euro für das Top-Modell mit Kompressor. In beiden Fällen liegt der Brite unter den Preisen für einen vergleichbaren Porsche Panamera oder Maserati Quattroporte.
Mit dem neuen Flaggschiff hat Jaguar viel Design-Tradition über Bord geworfen. Der Neue sieht schnittiger aus und fährt sich auch spürbar sportlicher. Hinzu kommt der hervorragende Dieselmotor. Als individuelle Alternative zu den klassischen Oberklasselimousinen kann sich der XJ so durchaus sehen lassen. Einige Kunden werden aber wohl erst einmal schlucken müssen: Denn das Biotop des noblen Briten sind nun weniger die Kiesauffahrten hochherrschaftlicher Landsitze, sondern eher die Tiefgaragen schicker Großstadtlofts.
Bewertung Jaguar XJ | |
+ geringes Gewicht | - leicht eingeschränkter Federungskomfort |
+ kultivierter Diesel | - sehr direkte Lenkung |
Holger Holzer / mid
Peter schrieb:
am 20. März 2010 um 19:04:50
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Jaguar XJ
Ein schöner Wagen, aber leider ist er dem Maserati Quattroporte zu ähnlich. Den alten XJ fand ich schöner und einzigartiger,
aber man muss auch loslassen können. Einen Allrad, wie sich die Audifahrer wünschen ist auf jeden fall überflüssig. Ein guter Heckantrieb mit 25% Sperre macht mehr spaß, die die nicht Autofahren können oder die bei Nässe und Glätte mit Vollgas ihr Leben und das der anderen gefährden wollen sollen beim Quattro bleiben. Physikalische Gesetze hebeln die damit auch
mehr
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Jagman schrieb:
am 19. März 2010 um 12:21:39
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Jaguar XJ Nightmare Edition 2010
@andy: Vollkommen richtig. Dem ist nichts hinzuzufügen.
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Archie schrieb:
am 18. März 2010 um 20:58:41
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Jaguar
Massenware, Massenware, Massenware. Nicht vom Preis her, okay, aber Individualität einer Marke gibt es nicht mehr bei Jaguar... Na, wem gehört sie?!
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