112.00 Euro Strafe für 22 km/h (Quelle: imago)Raser haben in Finnland nichts zu lachen. Diese Erfahrung müsste jüngst auch der finnische MillionärJari Bär machen. Weil er in der Stadt Siilinjärvi in einer60er-Zone mit 82 km/h geblitzt wurde, soll er nun sage und schreibe 112.000 Euro Strafe zahlen. Das berichtet die finnische Zeitung "Savon Sanomat" in ihrer Online-Ausgabe.
Schuld an der hohen Strafe ist das finnische Verkehrsrecht. Bei Tempo-Überschreitungen von mehr als 21 km/h werden keine festen Sätze berechnet, sondern Tagessätze auf Basis des Einkommens der Straffälligen. Im Falle von Bär waren es 12 Tagessätze. Das klingt erst einmal nicht viel, doch geblitzt wurde im Januar. Zur Berechnung wurde deshalb das Jahreseinkommen 2007 herangezogen und genau hier hatte Bär einen Teil seiner Firmenbeteiligung verkauft und so Kasse gemacht. Der Tagessatz beträgt somit 9000 Euro (Bußgeldverfahren: Was Sie wissen sollten).
Kritik an gängiger Praxis
Wäre Bär zwei Kilometer langsamer gewesen, hätte er lediglich eine festgelegte Strafe von 115 Euro zahlen müssen. Die extrem hohen Strafen auf Basis der Tagessätze stehen deshalb seit Jahren in der Kritik. Der finnische Strafrechtler Matti Tolvanen von der Universität in Joensuu hält die Regelung deshalb für Unangemessen. Gegenüber "Savon Sanomat" bemängelt er, dass eine Tempoüberschreitung kein Einfamilienhaus kosten dürfe.
Prominente Opfer
Ob Bär ganz um die Strafe herumkommt ist fraglich, es ist jedoch zumindest eine Senkung möglich. Andere prominente Opfer haben das jedenfalls vor Gericht durchgesetzt. Anssi Vanjoki, Vizepräsident des Telekommunikationskonzerns Nokia, war 2001 auf seinem Motorrad mit 75 statt der erlaubten 50 Kilometer pro Stunde unterwegs. Die Strafe betrug 116.000 Euro, wurde später jedoch auf 5600 Euro abgesenkt. Die Summe basierte auf dem Einkommen von 1999, wo er durch den Verkauf von Aktien besonders gut verdient hatte. Genau wie Bär.