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Die Wüste bebt

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Die Wüste bebt

19.01.2010, 10:12 Uhr | Tom Grünweg

Monster-Pick-Up: Ford F-150 SVT Raptor (Foto: Ford) Monster-Pick-Up: Ford F-150 SVT Raptor (Foto: Ford)Wo dieses Auto entlangdonnert, da wächst kein Gras mehr. Der Ford F-150 SVT Raptor ist so etwas wie der Porsche unter den Pick-ups. Gebaut für wilde Wüstenrennen im Südwesten der USA, ist er stärker, schneller und vor allem verrückter als alle anderen Pritschenwagen.

Ford F-150 in USA der Renner

Für Europäer ist der monströse Ford F-150 ein Exot, doch in den USA steht er mit rund 400.000 Zulassungen pro Jahr in der Käufergunst ganz oben. Kein Wunder also, dass sich in Amerika nach diesem Auto normalerweise keiner umdreht. Diesmal ist das anders. Denn wir fahren bei unserem Test nicht die Normaloversion, sondern den F-150 SVT Raptor, eine aufgebrezelte Variante des Autos - da recken viele die Hälse, und zwar meist nach oben.

Pick-up als Rennwagen

Den passenderweise nach einem Dinosaurier benannten Kraftmeier hat das ansonsten für Rennwagen zuständige Special Vehicles Team (SVT) in Detroit für Wüstenrennen im Südwesten der USA entwickelt. Das klingt nach einer sehr überschaubaren Zielgruppe, doch den Kunden scheint das Auto zu gefallen, auch jenen,die vermutlich nie abseits der Straße unterwegs sind. Anders ließe sich nicht erklären, dass in nur sechs Monaten fast 4000 Exemplare verkauft wurden.

Normaler Ford Raptor schon mit 320 PS

"Während sich Chevrolet und Dodge bei den Sportversionen ihrer Pick-ups vor allem auf Straßenversionen konzentrieren und deren Beschleunigung optimieren, sind wir die einzigen, die ab Werk einen echten Rennwagen fürs Gelände anbieten", sagt Ford-Entwicklungsleiter Matt Johnson. Am Motor mussten die Ingenieure nichts ändern. Der normale 5,4-Liter-V8-Motor ist potent genug. Im Zusammenspiel mit einer Sechsgang-Automatik bringt es die Maschine unter lautem Gebrüll auf 320 PS und 495 Newtonmeter - das ist selbst für den Dreitonner reichlich Kraft. Schon nach etwa acht Sekunden sind Tempo 100 erreicht, bei 160 km/h wird der Vortrieb abgeregelt.

Massives Fahrwerk

"Wichtiger als ein stärkerer Motor war uns das stabilere Fahrwerk", sagt Johnsons Kollege Herman Salenbach. Wer mit Vollgas über Stock und Stein prügelt und dabei regelmäßig durch Sprünge die Bodenhaftung verliert, muss gut abheben und sicher wieder landen können. Mit der Normalversion wäre das ein möglicherweise tödliches Unterfangen. Die Zielvorgabe der Entwickler war daher klar. "Was der Fahrer auch macht, der Raptor darf dabei nicht kaputt gehen", sagt Johnson.

Pick-up mit Rennstoßdämpfern

Herzstück des Tuningpakets sind eine um 25 Zentimeter breitere Spur mit entsprechend ausgestellten Kotflügeln, ein schier unverwüstlicher Unterfahrschutz, verstärkte Achslager und vor allem neue Rennstoßdämpfer. "Die gibt es sonst an keinem Pick-up", behauptet Entwickler Salenbach. Gefüllt mit einem von Militärforschern entwickelten Spezialöl und im Viererpack teurer als der Motor, dämpfen sie den fliegenden Giganten beim Walzer in der Wüste flockig ab.

Fahrgefühl wie auf einem Trampolin

Auch nach wildesten Sätzen federt der Raptor einfach nur kurz und butterweich ein, kommt wieder hoch und jagt weiter, als wäre nichts geschehen. An Bord fühlt sich das durchaus an, als hocke man auf einem Trampolin. Dabei zieht der Wagen unbeirrt seine Bahn, pflügt Dünen hinauf, hetzt Sprungkuppen hinunter und wühlt sich durch ausgetrocknete Flussbetten.

Enge Kurven mag der Ford Raptor nicht

Nur enge Kurven sollte man meiden. "Wenn drei Tonnen erst einmal in Fahrt sind, hilft auch der Allradantrieb nicht weiter", mahnt der Instruktor vom Beifahrersitz. Natürlich kann man mit dem Raptor auch langsamer fahren, die Feinheiten des Untersetzungsgetriebes ausprobieren und mit der Hill Descent Control spielen, die auf starken Gefällestücken das Tempo automatisch regelt. Aber hatten die SVT-Ingenieure nicht von einem Rennwagen gesprochen?

Sprit versickert wie Wasser in der Wüste

Während man den Blick durch die geräumige Kabine schweifen lässt und sich zum Beispiel an der zweifarbigen Mittelkonsole oder den vorinstallierten Schaltern für Winden und Zusatzscheinwerfer erfreut, sollte man den Bordcomputer besser ignorieren. Schon der Normverbrauch ist mit umgerechnet 18 Litern mehr als heftig, verkommt aber beim eiligen Einsatz im Gelände zur Theorie. Eine gewisse Skrupellosigkeit in Sachen Spritkonsum gehört zu den Grundeigenschaften, die man am Steuer des Raptor mitbringen muss.

42.000 Dollar für den Ford F-150 SVT Raptor

Der Preis für den Brachial-Pick-up beginnt bei 38.995 Dollar (umgerechnet rund 27.000 Euro) und ist selbst für die vom Dauerrabatt verwöhnten Amerikaner eine Überraschung. Nachdem sich das Auto in USA verkauft wie aufgeschnittene Bagel, denken die Verantwortlichen auch über den Export - etwa nach Russland oder in die Golf-Region - nach. Deutschland steht vorerst nicht auf dem Plan.

In Deutschland etwas teurer

Wer dennoch Raptor fahren möchte, muss dafür nicht in die USA: Allein auf der Internetplattform mobile.de wird derzeit ein knappes Dutzend Modelle angeboten. Zu Preisen zwischen 40.000 und 50.000 Euro sind sie zwar deutlich teurer als im Mutterland, doch gemessen an anderen Autos dieser Art noch immer günstig.


Tom Grünweg  

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