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Audi A3 1,6 TDI gegen Volvo C30 Drive: Norm und Wirklichkeit

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Audi A3 1,6 TDI vs. Volvo C30 Drive: Norm und Wirklichkeit

29.05.2010, 12:56 Uhr | Michael Gebhardt, AS24

Audi A3 vs. Volvo C30 - welcher Diesel ist sparsamer? (Foto: Michael Gebhardt, AS24)

Nur 3,8 Liter Diesel sollen die Sparmodelle Audi A3 1.6 TDI 99g und Volvo C30 DRIVe konsumieren. Pro Kilometer pusten sie also lediglich 99 Gramm CO2 in die Atmosphäre. So steht es zumindest auf dem Papier. Wir wollten wissen, wie es in Wirklichkeit um die Trinksitten der beiden Spar-Kompakten steht.

Verbrauch auf dem Papier unter vier Litern

Dass der im unrealistischen EU-Zyklus ermittelte Durchschnittsverbrauch von 3,8 Litern Diesel wohl ein Wunsch bleiben wird, war schon vor dem Test klar. In der Praxis liegen die Verbräuche - in der Regel - darüber, mal mehr, mal weniger. Wir haben beide Kandidaten unter realistischen Bedingungen bewegt, wie man im Alltag fährt, ohne explizit auf eine spritsparende Fahrweise zu achten; nur die Schaltempfehlung haben wir befolgt. Denn, das ist hinlänglich bekannt: Den größten Einfluss auf den Konsum hat immer noch der Fahrer.

Audi-Diesel mit leichter Anfahrschwäche

Während der 105 PS starke 1,6-Liter-Diesel im Audi A3 eine kleine Anfahrschwäche aufweist, hängt der gleichgroße 109-PS-Volvo-Motor etwas besser am Gas und tritt spontaner an. Dabei hat er mit 240 Newtonmeter Drehmoment zehn Zähler weniger als der Audi und die liegen auch noch später an. 1500 Touren braucht es im A3 für die maximale Kraft, im C30 1750 Umdrehungen. Dass der Schwede schneller vom Fleck kommt, liegt vor allem am etwas kürzer übersetzten ersten Gang.

Audi und Volvo bauen auf Spritspar-Elemente

Neben längeren Achsübersetzungen und Bremsenergie-Rückgewinnung setzen beide Sparmobile auf aerodynamischen Feinschliff, tiefer gelegte Karosserien und rollwiderstandsoptimierte Reifen. Ganz ohne Verzicht geht das Spritsparen dann übrigens doch nicht: Die beiden letztgenannten Maßnahmen sorgen in der Summe für Komforteinbußen, beide Kandidaten federn schlechten Asphalt weniger gut ab als ihre konventionellen Brüder.

Der Volvo hat größere Räder, Sparreifen gibt es momentan nur als Sommerreifen

Während der Audi mit 195er-Reifen auf 15-Zoll-Rädern antritt, setzt Volvo auf 16-Zöller mit 205er-Bereifung. Rein physikalisch müsste ihm das zum Nachteil gereichen, denn größere Reifen bedeuten auch mehr Reibung und mehr Windangriffsfläche. Ob sich das in der Praxis tatsächlich auswirkt, werden wir am Ende sehen. Und noch etwas: Die Spar-Pneus gibt es momentan nur als Sommerreifen. Mit Winterreifen dürften beide auch im EU-Zyklus mehr als 3,8 Liter verbrauchen.

Fahrspaß kommt weder im Audi noch im Volvo auf

Satter auf der Straße liegt im direkten Vergleich der A3. Der Volvo holpert stärker über Querfugen. Auch seine Lenkung ist stoßempfindlicher als das von Audi gewohnte genaue und leichtgängige Pendant. So lässt sich der Ingolstädter auch präziser ums Eck manövrieren, was allerdings gewiss nicht zu den Standarddisziplinen eines Spritsparmodells zählt. Denn für richtigen Fahrspaß sind beide zu träge: Rund elf Sekunden dauert es, bis die 100-km/h-Marke fällt und in Sachen Elastizität und Durchzug sind beide eindeutig auf Effizienz und nicht auf Vergnügen präpariert.

Lang abgestufte Fünfgang-Getriebe

Das merkt man auch beim Überholen auf der Autobahn, was ohne Runterschalten ein langwieriges Unterfangen ist. Vor allem im beiderseits extrem lang - im A3 sogar noch etwas länger - übersetzten fünften Gang, der ganz klar als Spargang ausgelegt ist. Einen sechsten Gang vermisst man auch nicht wirklich, die vier niedrigeren Übersetzungen sind gut abgestuft und ein weiteres Zahnrad hätte kaum Vorteile, brächte dafür aber zusätzliches Gewicht mit. Auch die Höchstgeschwindigkeit von gut 190 km/h reicht zum Mitschwimmen auf der Autobahn vollends aus.

Audi A3 und Volvo C30 serienmäßig mit Start-Stopp-Automatik

Was auf der Autobahn freilich keine Rolle spielt, senkt den Verbrauch im Stadtverkehr: Die serienmäßige Stopp-Start-Automatik, die ein essentieler Bestandteil der Spritspar-Modelle ist. Denn: Ein Motor, der an der roten Ampel aus ist, verbraucht nun mal keinen Treibstoff. Und mittlerweile funktioniert das Anwerfen des Aggregats so zügig und problemlos, dass auch keine Komforteinbußen entstehen. Allerdings schüttelt sich der Volvo beim Start ein bisschen mehr, als der Audi.

Start-Stopp-Automatik läuft nur bei warmem Motor

Über den Umweltschutz haben die Entwickler beiderseits die Ansprüche des Fahrers gestellt. Fordert der beispielsweise im Sommer die Klimaanlage zur Höchstleistungen heraus, könnte diese von der Batterie allein nicht betrieben werden. Gleiches gilt umgekehrt, wenn die Heizung im Winter voll aufgedreht wird. In solchen Fällen bleibt der Motor auch beim Ampelstopp an; ebenso, wenn der Motor aufgrund der niedrigen Außentemperatur zu sehr abkühlen und der Neustart folglich zuviel Energie verbrauchen würde. Darum funktionieren die Systeme auch erst nach ein paar Kilometern, wenn der Motor also auf Temperatur gebracht ist. Das wiederum erfolgt beim Volvo schneller als im A3.    

Sind die beiden Spritspar-Kompakten wirklich sparsam?

Nun aber zurück zur eigentlichen Fragestellung. Schließlich wollten wir wissen, ob die beiden Sparmodelle den Titel wirklich verdienen, und welcher von beiden am wenigsten verbraucht. Mit unserer ersten Vermutung lagen wir richtig, den vorbildlichen Normverbrauch von 3,8 Litern verfehlten beide. Deutlich, um genau zu sein: Rund 40 Prozent mehr konsumierten die beiden Diesel in unserem Alltagstest. Da im EU-Zyklus weder Radio noch Klimaanlage laufen und auch starke Beschleunigung nicht vorkommt, ist die Abweichung durchaus im Rahmen des Akzeptablen.

Volvo und Audi verbrauchen etwa 5,5 Liter Diesel

Und: Beide Probanden nehmen sich nicht viel. Am Ende des Tests hat der Audi durchschnittlich 5,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbraucht, im Volvo waren es nahezu gleiche 5,3 Liter für die selbe Strecke. Bedenkt man allerdings, dass der C30 fast 90 Kilogramm mehr wiegt, die größeren Räder trägt und insgesamt ein wenig spritziger wirkt, haben die schwedischen Ingenieure doch das geschicktere Händchen bewiesen.

Volvo C30 erreicht nur Euro-4

Ein Manko allerdings hat der Volvo C30. Während aus dem Audi A3 hinten Euro-5-saubere Abgase in die Umwelt gepustet werden, erfüllt der Schwede derzeit nur die Euro-4-Norm. Das heißt, er emittiert vor allem mehr giftige Stickoxide. Doch damit muss bald Schluss sein, ab 1. Januar 2011 dürfen nur noch Euro-5-Fahrzeuge neu zugelassen werden. Und für den soeben präsentierten Volvo S60 haben die Schweden bereits eine Euro-5-Sparversion des gleichen 1,6-Liter-Diesels angekündigt, der sicher auch im C30 das alte Aggregat ersetzten wird.

Der Audi A3 ist teurer

Ob der C30 dann immer noch günstiger sein wird als der Audi, ist noch offen. Momentan verlangt Volvo für das Sparmodell 22.995 Euro, für den A3 müssen 23.750 Euro bezahlt werden. Mit Klimaautomatik und CD-Radio hat der Volvo außerdem zwei Ausstattungs-Schmankerl serienmäßig an Bord, die sich Audi zusammen mit gut 1700 Euro extra bezahlen lässt. Unbezahlbar ist dagegen die perfekte Verarbeitungs- und Materialqualität im Audi, an die der C30 nicht ganz heran reicht.

Fazit: Die Spritspar-Techniken helfen

Nicht ganz fünfeinhalb Liter Durchschnittsverbrauch sind ein guter Wert, schließlich haben wir in unserem Test bewusst nicht auf eine besonders effiziente Fahrweise geachtet. Die Sparmaßnahmen der Hersteller, wie Stopp-Start und der aerodynamische Feinschliff wirken also ganz automatisch, ohne Zutun des Fahrers. Der allerdings bleibt der größte Einflussfaktor auf den Verbrauch. Und wer sich ein wenig bemüht und vielleicht mal auf die Klimaanlage verzichtet, dürfte sowohl beim Volvo als auch beim Audi eine vier vorm Komma realisieren können.

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Michael Gebhardt, AS24  

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Kommentare (94)

zum Forum

Thema: "Audi A3 1,6 TDI gegen Volvo C30 Drive: Norm und Wirklichkeit"

Raplo schrieb: am 7. Juli 2010 um 10:31:08
(0) (0) Sparauto und Bordcomputer
Die Computer taugen bei vielen Autos nix,meiner zeigt zum Beispiel einen duchschnittsverbrauch seit dem letzten
Tanken (Voll Getrankt !) einen Schnitt von 6,9 Liter an, beim nächten volltanken komme ich aber rechnerisch auf 7,4 Liter!Durch soll ein "Rechnenfehler" wird der verbrauch schöngeredet! Ich weiß nicht ob das so gewollt ist von den Herstellern,kaum einer macht sich noch die Arbeit und rechnet selber nach,so sind plötzlich alle Autos Sparfüchse! Ist besonder arg bei unserem Mercedes!
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Michael schrieb: am 6. Juli 2010 um 21:45:10
(0) (0)
Bordcomputer hin oder her, der Verbrauch wird nicht all zu sehr davon abweichen, ob ich nun selbst rechne oder die kleine Maschine. In
meinem Augen besteht das Problem der "sauberen" Fahrzeugen darin, dass die Hersteller mit eigentlich simplen Dingen ihr Image für den Umweltschutz aufpolieren wollen, den Komfort beinträchtigen und den Preis ein bißchen höher ansetzen ... im Endeffekt ein fauler Kompromiss, der auf den Kunden zurück fällt. Ansonsten würde es keinen Q7 oder Cayenne mehr geben.
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Herby schrieb: am 6. Juli 2010 um 09:15:14
(1) (0) Auf der Autobahn
spielt Gewicht keine Rolle? Wo wird denn bis 200 beschleunigt, wieder auf 120 runtergebremst und das Ganze wiederholt sich
in Abständen von 30 Sek.? Doch wohl auf der linken Spur deutscher Autbahnen! Fahrt mal über die Grenzen, da rollt der Verkehr bei 130 viel gleichmäßiger als bei uns. Kommt man von Östreich über die Grenze, dort haben sich alle zurückgehalten. Hier nach dem Grenzstrich geht die Drängelei und das Kraftstoff verheizen mit aller Kraft los.
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