06.06.2008, 12:23 Uhr
Womit kommt man im Fall der Fälle am weitesten - mit einem mitgeführten Pannenset, mit montierten Run-Flat-Reifen, dem klassischen Reserverad oder einem kleinen Notrad? Der ADAC hat die verschiedenen Hilfen bei Reifenpannen miteinander verglichen (hier geht's zu den Testergebnissen).
Reifen-Pannensets sind leicht und benötigen wenig Platz. Da das Mehrgewicht annähernd vernachlässigbar ist, führt dies zu keinem messbaren Mehrverbrauch. Das verwendete Dichtmittel kann generell nur Stichverletzungen oder kleine Risse in der Lauffläche abdichten. Bei Flankenbeschädigungen (z.B. durch einen Bordsteinrempler) bleibt das Dichtmittel wirkungslos. Weitere Beschädigungsbilder wie Laufflächenablösung, größere Risse, Gewebebruch oder auch undichte Ventile lassen sich ebenfalls nicht abdichten. Da zur Behebung der Panne das Fahrzeug verlassen werden muss, besteht speziell bei einem Plattfuß auf der Fahrseite ein Sicherheitsrisiko.
Pannenhilfsmittel gelten als temporärer Notbehelf für eine begrenzte Mobilitätssicherung. Damit reparierte Reifen dürfen nur vorsichtig und mit geringer Geschwindigkeit bis zur nächsten Fachwerkstatt gefahren werden. Laut Straßenverkehrs-Zulassungsordnung darf ein mit Reifendichtmittel behandelter Reifen nicht wieder repariert werden.
Ein zusätzliches Gummielement im Inneren der selbsttragenden Run-Flat-Reifen verhindert das Einfallen der beschädigten Pneus bei einem Druckverlust. Die weitaus größere Stabilität des Run-Flat-Reifens kann im Notfall bei hoher Fahrgeschwindigkeit und besonders in Kurven vor schweren Unfällen schützen. Weiterer Vorteil: Fahrzeuge mit Run-Flat-Reifen müssen mit einem Reifendruck-Kontrollsystem ausgestattet sein. Da der Fahrer bei einer Panne nicht auszusteigen braucht, entsteht kein Sicherheitsrisiko.
Run-Flat-Reifen bringen aber auch Nachteile mit sich: Der verstärkte Pneu wiegt etwa 40 Prozent mehr als ein vergleichbarer Standardreifen. Daher ist auch kein Minderverbrauch gegenüber einer Ausstattung mit vier konventionellen Reifen plus Ersatzrad feststellbar. Der Fahrkomfort wird durch die schweren Reifen verschlechtert. Ein Run-Flat-Reifen kostet bis zu 40 Euro mehr als ein vergleichbarer Standardreifen. Die Montage gestaltet sich aufwändiger und ist dadurch ebenfalls teurer. Run-Flat-Reifen sind anfällig für Montageschäden.
Das Ersatzrad bietet nach einer Reifenpanne eine uneingeschränkte Mobilität. Selbst nach extremen Reifenschäden (Laufflächenablösung, Reifenplatzer) kann man weiterfahren - sobald das Ersatzrad montiert wurde. Dies ist jedoch mit hohem Aufwand verbunden und stellt ein Sicherheitsrisiko dar, insbesondere, wenn der beschädigte Reifen an der linken Fahrzeugseite sitzt und Gefahr durch vorbeifahrende Autos droht – man denke an einen Reifenwechsel auf der Autobahn. Außerdem können moderne große Räder – insbesondere bei SUV – von Personen mit ungenügender Konstitution kaum aus dem Kofferraum und auf die Achse gewuchtet werden. Ein Ersatzrad benötigt viel Platz und ist schwer. Liegt es im Kofferraum, werden auf 100.000 Kilometer etwa 60 Liter Kraftstoff zusätzlich verbraucht.
Häufig werden Noträder als günstigere Alternative zum vollwertigen Ersatzrad angeboten. Die Reifendimension ist deutlich kleiner, dadurch wird nicht so viel Platz beim Verstauen benötigt. Ein Notrad kann nach allen Reifenschäden angewendet werden (sofern nicht in seltenen Fällen das Radhaus oder die Bremsleitung in Mitleidenschaft gezogen wurden), allerdings ist eine Weiterfahrt nur mit höchstens 80 km/h möglich. Die maximale Fahrstrecke hat ebenfalls Grenzen, unter anderem, weil das Differential durch die unterschiedlichen Dimensionen von Fahrbereifung und Notrad stärker beansprucht wird. Der Kraftstoffmehrverbrauch ist aufgrund des Gewichtes feststellbar, allerdings geringer als bei einem vollwertigen Ersatzrad.
Ratgeber - Richtiges Verhalten bei einer Reifenpanne
Quelle: ADAC
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